Der Verein "Eine Schule für Alle in Lüneburg e.V." hat im Frühjahr 2011 den Unmut vieler Eltern und Förderer der IGS über die niedersächsische Schulpolitik aufgegriffen. Die ausgelöste Protestaktion an verantwortliche Politiker hatte durchschlagende Wirkung. Karl-Heinz Klare, stellv. Fraktionsvorsitzender für den Bereich Kindergarten, Schule, Bildung, sagte sehr schnell einen Besuch bei uns in Lüneburg zu. Nach einer krankheitsbedingten Absage war es jetzt soweit.
Am Donnerstag, 24.11., besuchte Karl-Heinz Klare die IGS Lüneburg. Hiltrud Lotze, Schulausschußvorsitzende der Stadt Lüneburg war ebenfalls Gast in der Schule. Schwerpunkt des Abends war die von Sven Timm moderierte Diskussionsrunde. Es entstand eine angeregte, engagierte und durchaus kontroverse Debatte, die viele Schmerzpunkte aufgriff. Probleme wurden deutlich angesprochen, klare Forderungen offen gestellt, und dabei verlief die Veranstaltung konzentriert, fair und höflich. Allen Teilnehmern gebührt ein dickes Lob:
Vielen Dank für die Teilnahme, für die Beiträge, für die Atmosphäre - das war Klasse!
Herr Klare hat drei inhaltliche Punkte mitgenommen:
Außerdem lädt Herr Klare eine Abordnung (auch gerne eine große Gruppe) der IGS Lüneburg zu einer Diskussion mit allen Landtagsfraktionen nach Hannover ein. Ein Termin dafür soll innerhalb des nächsten halben Jahres liegen.
Vielen Dank an Herrn Klare für die Diskussionsfreude, den persönlichen Einsatz und den kurzweiligen Abend!
Herr Minister, Sie werfen einer guten Schule Knüppel zwischen die Beine!!!!
Sehr geehrter Herr Minister Althusmann,
als wir (eine Lehrer- und Elterngruppe der IGS-Lüneburg) am 24.01.2011 im Gasthaus Stumpf in Embsen Ihren Ausführungen zur Einführung der Oberschule lauschten, waren wir sehr erfreut über Ihre folgenden Äußerungen:
"Wir müssen uns lösen von der Frage welches (Schul-)System das Bessere ist. Die wesentliche Frage lautet: Wie kann gute Schule gelingen. Welches sind die Rahmenbedingungen von guter Schule……" Sie bezogen sich dann beispielhaft auf Stundentakt, Einsatz von Sozialpädagogen und pädagogische Angebote
Sie haben uns damit aus dem Herzen besprochen. Nur leider sieht die von Ihnen geschaffene Realität an den neuen IGSen völlig anders aus!
Die Lehrkräfte und viele ehrenamtlich tätige Eltern der IGS-Lüneburg versuchen, die uns auferlegten Rahmenbedingungen täglich mit viel Mühe zu verbessern, aber gegen eine gezielte Demontage unseres Schultyps lässt sich kaum an arbeiten.
An IGSen gibt es einen Anteil von hauptschulempfohlenen Schülerinnen und Schüler, der dem Anteil dieser Kinder an der Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler in Stadt- und Landkreis entspricht. An Hauptschulen gibt es Sozialpädagogen. Auch werben Sie für Ihr Oberschulmodell unter anderem mit dort beschäftigten Sozialpädagogen. Den IGSen wurde und wird immer wieder gesagt, die Finanzmittel seien zu knapp für sozialpädagogische Kräfte. Wo kommt nun plötzlich das Geld her, das für eine Vielzahl zu gründender Oberschulen reicht, nicht aber für die IGSen? Wie rechtfertigen Sie diese Ungleichbehandlung der Kinder, die eine IGS besuchen?
Die Obergrenze der Schülerzahlen an IGSen liegt - wie künftig auch bei den Gymnasien - bei 30 Schülern. In der geplanten Oberschule und auch an Hauptschulen liegt sie deutlich darunter. Womit rechtfertigten Sie diese Benachteiligung der Schülerinnen und Schüler, die eine IGS besuchen?
Den IGSen wurde die Einführung des G8 aufgezwungen, obwohl wir Eltern diesen Schultyp gerade wegen der Möglichkeit des längeren Lernens schätzen! Natürlich bleibt unseren Kindern auch weiterhin die Möglichkeit nach 13 Jahren das Abitur zu erlangen, aber der organisatorische Aufwand, den die Einführung eines G8-Weges erfordert, verschleißt die Kräfte aller Beteiligten.
Wir brauchen unsere Lehrkräfte für unsere Kinder und nicht als Ausführungsorgane völlig überflüssiger Verordnungen. Wenn Eltern für Ihre Kinder einen schnellen Weg zum Abitur wünschen, gibt es genug Alternativen. Die Einführung eines G8- Weges erschwert außerdem das gemeinsame Lernen an der Schule. Dies ist jedoch ein pädagogisches Merkmal der IGSen.
Auch wenn die Umsetzung im Schulalltag nicht immer reibungslos läuft, nützt es den Schülern aller Leistungsstufen, voneinander viel zu wissen und den Umgang miteinander täglich zu üben. Womit rechtfertigen Sie die Demontage unseres pädagogischen Konzeptes?
Die IGS waren schon immer vom Konzept her eine Ganztagsschule. Wie für alle Schulen, die seit 2004 Ganztagsschulen werden wollten, war das für IGSen seit dem Zeitpunkt nur als „offene Ganztagsschule“ möglich, d.h. unter Verzicht auf jegliche Ausstattung mit zusätzlichen Lehrerstunden. Eine Minimalausstattung gab es für die Klassenstufen 5 und 6. Den neugegründeten IGS wurden diese Lehrerstunden im zweiten Jahr ihres Betriebes aus formal rechnerischen Gründen nicht, wie dringend benötigt, erhöht und auch im kommenden Schuljahr soll die Zahl der Stunden auf dem Niveau des ersten Jahres eingefroren werden. Das sind absolut keine Rahmenbedingungen für gute Schule.
Für die neu zu gründenden Oberschulen stehen plötzlich die finanziellen Mittel zur Verfügung, sie als teilgebundene Ganztagsschulen mit einer sehr viel höheren Zahl an Lehrerstunden für den Nachmittagsbereich auszustatten. Diese eklatante Ungleichbehandlung kann nur als Versuch verstanden werden, die IGSen in ihrer Substanz nachhaltig zu schädigen. Wie rechtfertigen Sie diese Benachteiligung der Familien, die ihre Kinder auf eine IGS schicken?
Als Schildbürgerstreich ist es wohl zu verstehen, dass es seit 2004 keine formal und rechtlich abgesicherte Möglichkeit gibt, den Nachmittagsbetrieb zu organisieren. D.h. im Klartext: Der Ganztagsbetrieb wird nicht nur vom Land Niedersachsen „nicht bezahlt“, sondern kann auch durch die Schule und die Kommunen nicht organisiert werden. Die externen pädagogischen Mitarbeiter können nicht beschäftigt werden, ohne gegen Bestimmungen von Sozial- und Rentenversicherung zu verstoßen.
In besonderem Maße betrifft das an unserer Schule den Förderunterricht in Mathematik und Deutsch. Dieser kann unter den zurzeit gültigen Bedingungen nur eingeschränkt erteilt werden. Es verstreicht wertvolle Zeit, die dringend mit den Kindern zusammen genutzt werden muss, um in späteren Jahren erheblich teurere Fördermaßnahmen zu vermeiden.
Wir fordern Sie auf, Herr Minister: Schaffen Sie bis zu den Osterferien eine Möglichkeit, den Förderunterricht im Nachmittagsbereich in einer rechtlich abgesicherten und für die Kursleiter finanziell zumutbaren Form erteilen zu können (Arbeitsverhältnisse, bezahlt nach E5 oder E6 sind für stundenweise arbeitende Kursleiter nicht akzeptabel). Was zurzeit mit den IGSen geschieht, hat nichts mit Rahmenbedingungen von guter Schule zu tun. Es sind die Rahmenbedingungen einer Demontage. Vor diesem Hintergrund fordern wir für die IGSen ab dem nächsten Schuljahr ebenfalls die Möglichkeit, sich als teilgebundene Ganztagschulen zu organisieren.
Anders als von Ihnen in Embsen vermutet, ist der Beweggrund vieler Eltern ihr Kind auf eine IGS zu schicken, nicht der Wunsch, einen höheren Schulabschluss zu ermöglichen, als die Schullaufbahnempfehlung vorsieht. Viele Eltern unserer Schule sind von dem Konzept dieser Schule und der Umsetzung durch die Lehrer überzeugt und deshalb werden wir nicht einfach zusehen, wie es zerstört wird!
Wir sind empört über diese Art der Schulpolitik!
IGS-Lüneburg
Der Schulelternrat Der Schulvorstand Der Förderverein
Seit dem 7.August 2009 gibt es in Lüneburg eine Integrierte Gesamtschule!
Der Verein „Eine Schule für Alle in Lüneburg e.V.“ hat maßgeblich an der Gründung dieser Schule mitgewirkt und ist nun ihr Förderverein.
Zurzeit werden rund 300 Kinder in den Jahrgängen 5 und 6 von 18 Lehrkräften unterrichtet.
Das Schulleben ist auch mit nur zwei Jahrgängen vielfältig, bunt und abwechslungsreich und der Förderverein versucht es auf allen Gebieten zu unterstützen.